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Freitag, 29. Januar 2016

Aus dem Fitnessstudio auf die Bühne: Der Weg zum Bodybuilder

Robert liegt auf dem Rücken und hält eine Hantelstange über seinem Körper. Immer wieder führt er die Stange langsam zur Brust, um sie danach wieder kraftvoll, mit einem lauten Ausatmen nach oben zu drücken. Auf jeder Seite liegen drei große 15 Kilogramm Gewichtscheiben. Sein Ausatmen ist mittlerweile zu einem Schnauben geworden. Er hält die Stange nur noch knapp über seinem trainierten Brustkorb, sein Kopf färbt sich durch die Anstrengung leicht rot und seine Arme fangen unter dem Gewicht an zu zittern. Für die meisten hier im Fitnessstudio wäre nun der Zeitpunkt erreicht, an dem man aufgibt und das Gewicht zurück in die Halterung heben würde. Doch Robert hat in der letzten Zeit gelernt, dass man im Kraftsport nur etwas erreichen kann, wenn man über seine Schmerzgrenzen hinausgeht. Er hält kurz inne, sammelt seine letzten Kräfte und holt noch mal alles aus sich heraus, als er das Gewicht ein letztes Mal nach oben stemmt.
 So sah Robert zu Beginn der 18 Wochen aus

YouTube Videos als Ansporn

Angefangen hat Robert mit dem Fitnesstraining schon vor sechs Jahren, im Altern von 21. Er ging regelmäßig ins Studio und schwenkte die Hanteln. „Dabei beschränkte ich mich zunächst aber nur auf die Diskomuskeln wie Bizeps und Brust“, reflektiert er heute lachend. Durch Videos auf YouTube steigerte sich jedoch schnell sein Interesse. Er erstellte sich erstmals einen eigenen Trainingsplan und begann gezielt an der Optik seines Körpers zu arbeiten. Schnell fingen seine Muskeln an zu wachsen, doch die Erfolge führten nicht dazu, dass er sich ausruhte. Im Gegenteil, denn sie motivierten ihn nur noch mehr. „Ich bin ein Perfektionist und habe immer wieder nach Dingen geschaut, die ich noch verbessern kann“, meint er heute. Der Gedanke, dass er seine Muskeln mal vor Leuten auf einer Bühne präsentieren kann, kam ihm erstmals beim Besuch der weltgrößten Fitnessmesse.  Hier traf er auf andere Bodybuilder. Diese Begegnungen verdeutlichten ihm, dass man viel erreichen kann, wenn man hart an sich arbeitet. Und genau das hatte er von nun an vor.

Laut der Studie "Der deutsche Fitnessmarkt 2014" waren Ende 2013 8,6 Millionen Menschen in Deutschland in einem Fitnessstudio angemeldet. Davon geht nur ein kleiner Bruchteil dem professionellen Bodybuilding nach. Doch was muss man überhaupt ändern, wenn man von einem gut trainierten Typ zu einem Bodybuilder werden will? „Wenn Jugendliche zu mir kommen und mich fragen, wie sie Bodybuilder werden können, sage ich ihnen, dass es ein langer Weg wird“, sagt Tim Schubert. Er ist 24 Jahre alt und stand selbst schon mal bei einem Wettkampf auf der Bühne. Nun arbeitet er als ausgebildeter Sport- und Fitnesskaufmann in einem Fitnessstudio. Neben den normalen Kunden, die sich dort nur fit halten wollen, unterstützt er auch jene, die gezielt auf einen Wettkampf hinarbeiten. „Um dafür in Form zu kommen, ist enorme Willenskraft gefragt. Man muss auf vieles verzichten und muss dem Krafttraining alles unterordnen. Wenn man das nicht kann, braucht man es gar nicht erst zu versuchen“, meint er. Zunächst gibt es eine Phase, in der man möglichst viel Muskelmasse aufbauen sollte, um danach mit einer radikalen Diät den Körper so zu definieren, dass jede Muskelfaser erkennbar ist. Gerade hier benötigen Anfänger professionelle Unterstützung, weil dort jeder kleinste Fehler „alles ruinieren kann“.

Mit Reiswaffeln und Brennnesseltee zum Sixpack

Diese Unterstützung suchte sich auch Robert. Im Fitnessstudio lernte er einen erfahrenen Ex-Athleten kennen. Der erkannte schnell, dass er schon eine gute Basis gelegt hatte und arbeitete für ihn einen 18-wöchigen Diätplan aus, um seinen Körper zu definieren. Von nun war sein gesamtes Training geplant und jede Kalorie gezählt, die er zu sich nahm. Mit genau 2800 Kalorien am Tag fing er an und danach wurde die Zahl alle zwei Wochen gesenkt. Dies war am Anfang für Robert noch kein Problem: „Ich aß Reis, Beeren und Huhn. Dazu gab es noch Quark, den ich später mit 13 Eiern am Tag ersetzte.“ Doch mit der Zeit senkte sich die Kalorienzahl immer weiter, sodass kaum noch was übrig blieb. Parallel dazu steigerte sich auch das Cardiotraining und er verbrachte am Ende jeden Tag 2 ½ Stunden mit dem Training. Selbst während des historischen Champions-League Finale zwischen Bayern und Dortmund stand er im Studio und trainierte. Verzichten musste er außerdem auch auf Alkohol, denn das darin enthaltene Ehtanol ist pures Gift und fördert den Muskelabbau. In der letzten Woche vor dem Wettkampf aß er alle 3 Stunden nur noch trockenes Hühnchen und trank dazu zehn Liter Brennnesseltee am Tag. „Bei einer Mahlzeit nach dem Training gab es da noch ein wenig Spinat dazu, ansonsten blieb mir nichts anderes übrig, als es gut zu würzen, um es mir halbwegs schmackhaft zu machen“, sagt er lachend. Noch extremer wurde es dann an dem letzten Tag. Hier gab es für ihn nur noch ein paar Reißwaffeln und am Wasser durfte nur noch genippt werden, wenn es sein musste.
Robert´s Ernährungsplan aus Woche  1
Wie man sieht wurde jede Kalorie gezählt





















„Es ist wichtig die Kalorien, Fett und Kohlenhydratzahl immer wieder zu senken. Sonst gewöhnt sich der Körper daran und man nimmt nicht weiter ab“, erklärt Tim Schubert den Sinn des Ganzen. Auch die Wahl der Lebensmittel ist wohlüberlegt. Muskeln bestehen zu einem großen Teil aus Eiweiß, genauso wie Hähnchen. Da man in einer Diat zwangsläufig auch immer Muskeln verliert, ist es wichtig, Eiweiß zu Essen, da diese die Muskeln beim Fettabbau schützen. Wie wichtig die Ernährung beim Training ist, bestätigt auch Bodybuilder Flavio Simonetti in einem Spiegel-Interview: "Die Ernährung ist entscheidend. Ich glaube, dass die Figur letzendlich in der Küche definiert wird. Als ich vor zwölf Jahren mit dem Bodybuilding anfing, habe ich zwei Jahre lang trainiert wie ein Verrückter, aber normal gegessen. Das Ergebnis: Mein Körper veränderte sich kaum." Die letzte Woche vor dem Wettkampf wird als Entladephase bezeichnet. Danach soll nur noch Haut auf den Muskeln, Sehnen und Adern liegen. Der Brennnesseltee ist zum Beispiel dafür gedacht, dem Körper das Wasser zu entziehen, denn je dehydrierter man ist, desto definierter schaut man aus. Deshalb darf danach kaum noch was getrunken werden, sonst würde der Effekt des Tees wieder zerstört werden. Und auch die Reiswaffeln erfüllen ihren bestimmten Zweck. Sie enthalten Kohlenhydrate und geben somit dem völlig ausgelaugten Körper Energie, um die Muskeln wieder prall zu machen. „Die letzte Woche ist sicherlich die härteste der Vorbereitungszeit. Doch wer die durchhält, ist so definiert wie nie zuvor“, weiß Tim Schubert.

Durstig und Bronze glänzend auf die Bühne

Robert auf der Bühne am Wettkampftag
Aufgeben kam für Robert so kurz vor Schluss natürlich nicht mehr infrage. Mit einer Tapetenrolle wurde sein Körper vor dem Wettkampf mit bronzener Farbe eingestrichen. Danach ging es auf die Bühne, um einer Jury seine Muskeln zu präsentieren.
 Diese schaut sich jeden Athleten einzeln an und bewertet sie nach den vorgegebenen Richtlinien des Deutschen Bodybuilding und Fitnessverbands (kurz: DBFV). In deren Wettkampfregeln ist genau vorgegeben, wie sich die Athleten zu präsentieren haben. Sie sollen sich zunächst in einer Vorder- und Rückenansicht und danach in einer Seitenansicht zeigen. Dabei sollen laut Regularien "Sämtliche Muskelgruppen in jeder Pose angespannt sein". Daraufhin bewertet die Jury unter anderem die Punkte Proportion, Symmetrie und athleltische Erscheinung. Die sechs Besten der Klasse dürfen danach in dem Finale zu selbst ausgewählter Musik in einer 60-sekündigen Kür nochmals ihre Muskeln präsentieren. Veranstaltungen wie diese werden in Deutschland immer populärer und finden in regelmäßigen Abständen statt.
18 Wochen lang hat Robert nun auf diesen Tag speziell hingearbeitet und dabei sein Gewicht von 82 Kilogramm auf 69 reduziert. Für das Finale reicht es trotzdem nicht, dafür ist die Konkurrenz unter den 25 Teilnehmern zu hoch. Doch darum ging es ihm sowieso nicht. „Ich wollte die Erfahrung machen und rausfinden, wie sehr sich mein Körper verändern kann, wenn ich alles dafür investiere“, meint er resümierend. Außerdem konnte er dadurch auch viel für sein späteres Leben lernen. „Dinge wie Konsequenz, Zielstrebigkeit und Pünktlichkeit wurden in der Zeit sehr stark geschult“, meint er. Die Erfahrung war Robert die teils qualvolle Zeit also wert: „Ich habe in den 18 Wochen alles den Sport untergeordnet und bin stolz auf das was ich erreicht habe. Doch ich habe auch gesehen, dass Gewichte heben nicht alles für mich ist und dementsprechend mein Leben danach anders ausgerichtet.“ In naher Zukunft will er so einen Wettkampf nicht noch mal machen. Er trainiert zwar weiterhin regelmäßig, doch wird nebenbei nicht mehr jede Kalorie gezählt. Wenn er nun Lust auf einen Burger hat, kann er sich den gönnen und wenn mal wieder ein gutes Fußballspiel im Fernsehen läuft, kann er es sich entspannt anschauen.

Robert´s beeindruckende Transformation von Woche 1-18 im Überblick

Hier ein kleines Video von Robert beim Training plus Interview: